Herr Dr. Weltrich, Sie haben bei der Handwerkskammer zu Köln sicherlich sehr häufig mit Businessplänen zu tun. Warum hat der Businessplan eine so große Bedeutung?
Dr. Ortwin Weltrich: Sie müssen wissen, wir sind mit fast 33.000 Mitgliedsbetrieben in Deutschland die viertgrößte Handwerkskammer. Und in der für dieses Thema zuständigen Kaufmännischen Unternehmensberatung beschäftigen wir insgesamt zehn Berater, die zusammen jährlich über 900 Gründungsberatungen durchführen. Damit sehen wir im Schnitt jeden Tag etwa vier Businesspläne, Geschäftskonzepte oder wie immer sie genannt werden. Die hohe Bedeutung kommt daher, dass der Businessplan den Kern jeder erfolgreichen Gründung oder Übernahme bildet, er ist Konzept, Gebrauchsanweisung und Fahrplan gleichzeitig.
Viele Gründer glauben, sie müssen einen Businessplan vor allem für die Bank oder die fachkundige Stelle schreiben. Wie sehen Sie das?
Dr. Ortwin Weltrich: Diese Einstellung teilen wir nicht. Richtig verstanden ist der Businessplan zuallererst ein Instrument für die Gründerin oder den Gründer selbst: zum Strukturieren der Gedanken, zum konkreten Planen von Investitionen und Finanzbedarf und – auch sehr wichtig – zur realistischen Einschätzung des Risikos. Erst dann sollte man an mögliche andere Empfänger denken.
Nun gibt es vielfältige Hilfestellung für das Schreiben von Konzepten, freie Berater bieten sich an, das Internet hält Angebote bereit. Was ist davon zu halten?
Dr. Ortwin Weltrich: Wir empfehlen jedem Existenzgründer, den Plan selbst zu schreiben. Denn wer steckt besser in der Materie als der Gründer, wer kennt besser die Geschäftsidee und die Rahmenbedingungen, aber auch mögliche Gefahren? Daher ist es immer sinnvoll, sich selbst die Mühe zu machen – gern mit intensiver Hilfestellung, auch durch unsere Gründungsberater. Die Businesspläne aus dem Internet ähneln sich meist sehr stark, es fehlt die Individualität.
Immer wieder fragen sich Gründer, wie umfangreich ein Konzept sein muss, da kursieren horrende Zahlen z.B. unter 30 Seiten muss man gar nicht anfangen. Welchen Umfang empfehlen Sie?
Dr. Ortwin Weltrich: Es gibt eigentlich keine feste Seitenzahl. Ein Geschäftskonzept muss aussagefähig sein, und zwar bezogen auf die individuelle Gründungsidee. Als unterste Grenze für ein einfaches Vorhaben kann man von etwa vier Seiten ausgehen das heißt zwei Seiten für die textliche Beschreibung und je eine Seite Investitions- und Finanzierungsplanung sowie Rentabilitätsvorschau auf drei Jahre. Nach unserer Erfahrung braucht man auch für eine komplexere Gründung mit einiger technischer Beschreibung nicht mehr als insgesamt 20 Seiten. Keinesfalls bedeutet mehr Seiten mehr Qualität. Und: gerade Banken erwarten straffe Konzepte, keine überlangen allgemeinen Texte, die mit der konkreten Gründung wenig zu tun haben.
Zum Schluss noch eine generelle Frage: wodurch zeichnet sich der ideale Businessplan aus?
Dr. Ortwin Weltrich: Er soll vollständig und klar sein, sachlich, verständlich, sprachlich aus einem Guss und sicher auch optisch ansprechend. Kurz gesagt aussagefähig und überzeugend – übrigens wie eine gute Bewerbung.
Dr. Ortwin Weltrich...
... studierte Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln, machte 1984 das Zweite Staatsexamen 1984 und promovierte 1991 zum Dr. jur. mit einer Dissertation zum Europäischen Kartellrecht. Von 1984 bis 1989 war er geschäftsführender wissenschaftlicher Assistent am Institut für Europarecht der Universität zu Köln. 1989 erhielt er die Zulassung als Rechtsanwalt, von 1990 bis 1991 arbeitete er als Referatsleiter beim Zentralverband des Deutschen Handwerks. Von 1992 bis Anfang 2007 wurde er zum stellvertretenden Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln bestellt, seit Februar 2007 ist er ihr Hauptgeschäftsführer.
Seit 1994 ist Ortwin Wltrich Vorsitzender des Europapolitischen Arbeitskreises des Westdeutschen Handwerkskammertages . Darüber hinaus ist er Mitglied in diversen Wirtschaftsgremien, stellvertretendes Mitglied im WDR-Rundfunkrat, Wirtschaftsbotschafter der Stadt Köln und des Rhein-Erft-Kreises, stellvertretender Vorstandsvorsitzender im Verein Region Köln/Bonn e.V. und Mitglied im Verwaltungsrat bei der Sequa.
Die Handwerkskammer zu Köln umfasst die Region Köln/Bonn mit drei Großstädten und vier Landkreisen. Im Kammerbezirk leben in 53 Kommunen 3,1 Millionen Menschen. Die Handwerkskammer umfasst 31.500 Unternehmen mit 187.000 Beschäftigten und 15.000 Auszubildenden. Der derzeitige Umsatz der Mitgliedsunternehmen beträgt ca. 15 Milliarden Euro.



