Professor Dr. Birgit Felden, Vorstand der tms Unternehmensberatung in Köln und Expertin für Nachfolgeregelungen.

Mittelstand

//Nachfolge: Ein guter Nachfolgeplan sichert den Erfolg der Übernahme

Ständig suchen 100.000 Unternehmer einen Nachfolger. Oft geht die Neubesetzung des Chefsessels jedoch schief. Ein Interview mit Professor Dr. Birgit Felden, Vorstand der tms Unternehmensberatung in Köln und Expertin für Nachfolgeregelungen.

Frau Prof. Felden, nur 60 Prozent der Unternehmen schaffen den Sprung in die zweite Generation. Bei der Übergabe auf die dritte oder die vierte Generation sieht es noch viel schlimmer aus. Was ist der Grund dafür?

Professor Dr. Birgit Felden: Die Unternehmer fangen nach wie vor zu spät an, sich um einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu kümmern. Denn die exakte Planung und Realisierung einer Übergabe dauert im Durchschnitt fünf Jahre.

 

Wie sollten Unternehmer, die sich aus ihrem Betrieb zurückziehen wollen, handeln, damit der Generationswechsel bei ihnen reibungslos abläuft?

Professor Dr. Birgit Felden: Nach meinen Erfahrungen ist ein detaillierter Nachfolgeplan das wesentliche Erfolgsinstrument für eine problemlose Unternehmensübertragung.

 

Was sind die wichtigsten Bestandteile eines Nachfolgeplans? 

Professor Dr. Birgit Felden: In dieses Konzept gehen die „fünf Ws“ der Unternehmensnachfolge ein. Das sind die Antworten auf die Frage „Wer übergibt was wann und wie an wen?“. Und das ist natürlich noch längst nicht alles. In den Nachfolgeplan gehören, neben vielen anderen Dingen, auf jeden Fall klare Regelungen für die Vermögensübertragung sowie das Vorgehen bei der Weitergabe der Führungsverantwortung auf den neuen Chef. Und nicht zu vergessen: klare Termine, wann welcher Schritt erfolgen soll.

 
"Ein detaillierter Nachfolgeplan ist das wesentliche Erfolgsinstrument für eine problemlose Unternehmensübertragung", sagt Professor Dr. Birgit Felden. „Ein detaillierter Nachfolgeplan ist das wesentliche Erfolgsinstrument für eine problemlose Unternehmensübertragung“, sagt Professor Dr. Birgit Felden.

Die Probleme beim Generationswechsel beginnen häufig schon bei der Suche nach dem geeigneten Kandidaten. Was empfehlen Sie, um solche Schwierigkeiten zu vermeiden?

Professor Dr. Birgit Felden: Ich warne einen „Senior“ immer davor, einen „Denkmalpfleger“ zu suchen oder einen Kandidaten auszuwählen, der sein Ebenbild in Jung darstellt. Solche Entscheidungen erweisen sich in der Regel als falsch. Bei einer Übertragung geht es nicht darum, die Wünsche des bisherigen Chefs zu erfüllen. Es geht einzig und allein um das Wohl des Unternehmens.

 

Könnten Sie das bitte etwas genauer formulieren?

Professor Dr. Birgit Felden: Natürlich. Es muss zunächst geklärt werden, welche fachlichen und persönlichen Qualifikationen ein geeigneter Nachfolger mitbringen muss, um das jeweilige Unternehmen in Zukunft weiterhin erfolgreich zu führen. Ich würde auf jeden Fall empfehlen, sich bei der Auswahl von einem Experten beraten zu lassen und mit ihm gemeinsam das detaillierte Anforderungsprofil zu entwickeln. 

 

Wie gut sind Deutschlands Unternehmer, für die ein Generationswechsel noch in weiter Ferne liegt, eigentlich darauf vorbereitet, wenn ihnen etwas passiert, sie einen Unfall erleiden oder schwer erkranken?

Professor Dr. Birgit Felden: Leider sind viele Chefs in diesem Bereich sehr leichtfertig und haben keinen Notfallplan entwickelt, der die weitere Handlungsfähigkeit des Unternehmens in solchen Situationen gewährleistet. Wer so einen Plan noch nicht aufgestellt hat, sollte das umgehend tun.

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